Anton Wildgans
Slogan
Akkord
Aufblick
Blick von oben
Das Lächeln
Dienstboten
Dieses Haus wird demoliert
Einem jungen Richter zur Beeidigung
Freunde
Glück des Alleinseins
Ich bin ein Kind der Stadt
Im Anschaun meines Kindes
Kammermusik
Letzte Erkenntnis
Lied des Schmarotzers
Sankt Othmar
Sonette an Ead
Stimme im Traume des Künstlers
Tiefer Blick
Triptychon der Liebe
Vom kleinen Alltag
Wiedersehen mit Gott
Zueignung an die geliebte Landschaft

Stimme im Traume des Künstlers

Und wieder war es, daß die Stimme sprach:

„Du bist nicht hart genug“ – und eine Strenge,

Die so wie Glanz aus kaltem Eisen brach,

Ward plötzlich auf der Göttin Lippen wach

Und stürzte ihn in zitterndes Gedränge.

 

„Du bist nicht hart genug, denn dies mein Joch

Ist keine Blütenfessel, zart geschmiedet –

Auf deinem Nacken soll es schwer und hoch

Lasten und schwanken, aber doch

Die Zier sein, die dich königlich umfriedet!

 

Du bist nicht hart genug, noch immer lockt

Und lüstet dich das feile Glück der Menge.

Dein Blut, in dem der alte Adam hockt,

Lullt dein Gehirn ein, daß es zagt und stockt,

Statt aufzubäumen über alle Zwänge.

 

Drum gib das Weib von dir: Dirne und Braut –

Gleichviel! Es gilt ihr girrendes Gebärden

Dem Geiste nicht, der in die Tiefen schaut,

Nein, nur dem Kitzel einer geilen Haut –

Ihr kann auch ohne dich geholfen werden.

 

Lieb’ ich dich nicht? Kann ich nicht Weib und Kind

Und alles sein, dich mächtig zu bewegen?

Erkennst du mich denn nicht im Frühlingswind

Und in den Nächten, die voll Klingen sind,

Und in der Tränen liebem, leisem Segen?

 

Die anderen, die dich so sehr beglückt,

In deren Armen deine Lust gestammelt,

Sie haben deine Seele dir zerstückt,

Und ich hab’ mich nach jedem Stück gebückt

Und deiner Seele Krumen eingesammelt.

 

Und hab’, so oft du noch aus Rausch und Schein

Zurückerwacht zu Wirklichkeit und Leben,

Zu dir gesprochen: Siehe, dies ist dein –

Und habe aus den heiligen Händen mein

Dir deine Seele heil zurückgegeben.

 

Darum gebiete endlich deiner Gier,

Die unersättlich ist nach Lust, wie Raben

Nach Aas es sind! – Du bist zu dir

Nicht hart genug und sollst nicht neben mir

Andere Götter oder Götzen haben - !

 

Da schrak er auf – und hörte seine Zeit.

Die schrie nach ihm, wie brünstig im Gefilde

Ein starkes Wild nach seinem Meister schreit.

Da griff er rauh in seine Einsamkeit

Und schuf aus ihr nach seinem Ebenbilde.